

DROP 08.11.2026 | 11:00 CET
KRAMPUSNACHT 2026
„Eine Maske lügt manchmal weniger als ein Gesicht, das sich für heilig hält.
Ein Jahr ohne Heilige.
Der Kreis ist fast geschlossen.
Hinter uns liegen Nächte, in denen die Toten zurückkehren durften, Namen wieder ausgesprochen wurden und Menschen Kerzen für jene aufstellten, die längst keinen Platz mehr am Tisch hatten. Für einen kurzen Moment bestand die Aufgabe der Lebenden darin, sich zu erinnern. Das war ungewöhnlich friedlich für dieses Jahr.
Jetzt wird es Winter.
Die Tage sind so kurz geworden, dass man am Nachmittag bereits das Licht einschaltet. Auf den Straßen riecht es nach nasser Kälte und Rauch, die ersten Scheiben beschlagen von innen, und draußen verschwindet die Welt jeden Abend ein wenig früher. Später hat man diese Jahreszeit mit Tannengrün, Kerzen und einer erstaunlichen Menge Zucker überzogen. Früher war sie weniger höflich. Der Winter machte Wege unpassierbar, leerte Vorräte, nahm Tiere und zwang Menschen monatelang auf engem Raum zusammen. Wer ihn überstand, hatte keinen Grund, so zu tun, als bestünde Dezember nur aus Besinnlichkeit.
Entsprechend bevölkerten die Menschen diese Zeit nicht nur mit Heiligen. Sie gaben ihr auch Hörner.
Am Anfang des Monats kommt eine Gestalt aus den Tälern und Dörfern zurück, die sich nie vollständig in das saubere Bild der christlichen Winterzeit einfügen ließ. Fell hängt schwer über ihrem Körper, Glocken schlagen gegen die Hüften und eine geschnitzte Fratze ersetzt das menschliche Gesicht. Dazu kommen Hörner, eine Rute und manchmal ein Korb auf dem Rücken. Fast immer hört man auch das Rasseln einer Kette.
Die Kirche kannte solche Bilder gut. Sie sortierte die Welt seit jeher in das, was in ihre Ordnung passte, und das, was außerhalb davon zu stehen hatte. Krampus gehörte optisch ziemlich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Trotzdem nahm man ihn mit.
Man gab ihm die Rolle des Teufels, stellte ihn neben einen Heiligen und legte ihm Ketten an. So konnte das Ungeheuer Teil der Prozession werden, solange jemand anderes vorgab, über seine Aufgabe zu bestimmen.
Darin liegt vielleicht die eigentümlichste Seite der ganzen Tradition: Eine Kette beweist zunächst nur, dass jemand das Bedürfnis hatte, etwas anzuketten.
Das Coven Jahresrad führt uns deshalb im Dezember nicht zum Heiligen. Wir brauchen keinen weiteren Mann, der uns erklärt, wer brav gewesen ist und wer Vergebung verdient.
Uns interessiert die vermummte, gehörnte Gestalt daneben. Die Figur, deren Gesicht man aus Holz schnitzte, die man verdammte und trotzdem jedes Jahr wieder hereinließ. Das Wesen, das die Drohung tragen sollte, während andere sich den angenehmeren Teil der Moral vorbehielten.
Diesmal bekommt es keinen Platz hinter der Prozession.
Diesmal gehört die Nacht ihm.
WELCOME TO THE ERA OF BLOOD AND SILENCE.
Am Abend des 5. Dezember verändert sich bis heute in vielen Orten des Alpenraums das Straßenbild.
Dann kommen die Krampusse.
Schwere Felle bedecken ihre Körper, an Gürteln und Geschirren hängen Glocken und Schellen, deren Klang häufig schon zwischen den Häusern liegt, bevor die Gestalten selbst auftauchen. Das Gesicht verschwindet hinter einer geschnitzten Larve, Hörner ragen darüber hinaus. Ruten und Ketten gehören vielerorts ebenso zum Bild wie regional auch Körbe oder Butten. In manchen Gegenden ziehen einzelne Krampusse, andernorts ganze Gruppen, sogenannte Passen, durch die Orte. Form, Aussehen und Ablauf unterscheiden sich regional stark und haben sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert. Der 5. Dezember, der Vorabend des Nikolaustages, blieb dabei der zentrale Termin.
Woher Krampus ursprünglich kommt, lässt sich weniger sauber beantworten, als viele moderne Erzählungen behaupten. Die Geschichte vom unverändert überlebenden heidnischen Dämon, der irgendwann lediglich einen christlichen Anstrich bekam, klingt hervorragend, ist historisch aber kaum in dieser Geradlinigkeit zu belegen. Im Alpenraum existierten unterschiedliche Winter-, Masken- und Lärmbräuche, die nebeneinander bestanden, sich gegenseitig beeinflussten und später teilweise miteinander vermischt wurden. Das gilt auch für Krampus und Perchten, die heute oft gemeinsam auftreten oder äußerlich ähnlich wirken, aber nicht einfach dieselbe Figur mit zwei Namen sind.
Interessanter ist ohnehin das, was sich tatsächlich sicherer greifen lässt.
Innerhalb christlich geprägter Nikolausbräuche wurde Krampus ausdrücklich als teuflische Gegenfigur eingesetzt. Besonders in Nikolausspielen der Gegenreformation stand der Heilige für die erwünschte Ordnung, während der dunkle Begleiter all das übernehmen durfte, was in dieser Ordnung unangenehm wurde. Wo Lob und Geschenk nicht reichten, kamen Rute, Drohung und die Aussicht auf eine deutlich weniger angenehme Heimreise ins Spiel.
Damit entstand ein bemerkenswerter Widerspruch. Das Christentum machte den Teufel zum Gegenbild seiner eigenen Moral und nahm anschließend eine teuflische Gestalt mit, damit diese Moral auch durchgesetzt werden konnte.
Krampus wurde also nicht einfach ferngehalten. Er bekam einen festen Platz.
Der Heilige konnte sein freundliches Gesicht behalten, während neben ihm etwas ging, das keine solche Verpflichtung hatte. Der eine sprach, der andere musste manchmal nur die Glocken bewegen. Was später als Gegensatz erschien, funktionierte im Brauch erstaunlich gut als Arbeitsteilung.
Vielleicht wirkt Krampus gerade deshalb bis heute unmittelbarer als vieles, was ihn ursprünglich einhegen sollte. Ein Heiliger braucht Gewand, Amt und die Geschichte, die seine Autorität erklärt. Beim Krampus genügt es, wenn irgendwo vor dem Haus eine schwere Glocke anschlägt.
Auch seine übrige Erscheinung lebt davon, dass sie wenig erklären muss. Unter der Larve verschwindet das bekannte Gesicht des Nachbarn. Fell und Hörner verschieben den Körper weg vom Alltäglichen, und wer sich eine solche Maske aufsetzt, tritt für einige Stunden aus seiner gewöhnlichen Rolle heraus. Die Rute erinnert daran, dass Erziehung über lange Zeit wesentlich körperlicher verstanden wurde als heute. Die Kette wiederum lässt sich kaum betrachten, ohne sofort die Frage nach Kontrolle zu stellen.
Die christliche Antwort darauf war bequem: Das Böse ist gebändigt. Es darf mitgehen, weil es unterworfen wurde.
COVEN liest dasselbe Bild anders.
Wer sich sicher ist, dass etwas harmlos ist, braucht dafür gewöhnlich keine Kette.
Genau darin liegt für uns der Reiz dieser Figur. Eine Ordnung, die klare Grenzen zwischen heilig und verdammt zog, musste ihr eigenes Gegenbild jedes Jahr wieder mitten hineinlassen. Sie gab ihm einen Namen, eine Aufgabe und einen Platz hinter dem Heiligen. Aus dem Ungeheuer sollte ein Werkzeug für Gehorsam werden.
Das funktionierte, solange alle Beteiligten dieselbe Geschichte darüber erzählten.
Problematisch wird es erst, wenn die Gestalt am anderen Ende der Kette nicht mehr mitspielt.
Wir stehen in dieser Nacht jedenfalls nicht neben dem Mann mit der Mitra.
Wir stehen bei dem, den man anketten musste.
Niemand konnte später mit Sicherheit sagen, wann in Klammbach zum ersten Mal ein Krampus durch die Straßen gegangen war.
Die ältesten Kirchenbücher erwähnten den Brauch nicht. Das überraschte niemanden besonders. Pfarrer schrieben Geburten, Ehen, Todesfälle und gelegentlich Dinge auf, über die sich spätere Pfarrer ärgern sollten. Welcher Knecht sich Anfang Dezember ein Fell umhing und unter einer geschnitzten Fratze die Kinder des Ortes zum Weinen brachte, gehörte selten dazu.
Die Masken waren trotzdem alt.
Den größten Teil des Jahres hingen sie in der Werkstatt von Johann Gruber. Er schnitzte Heiligenfiguren für Kapellen, reparierte Stuhlbeine und fertigte im November Gesichter, für die ihn dieselben Leute bezahlten, die sich einige Wochen später darüber beschwerten, wie abscheulich sie aussahen.
Johann hielt das für ein Zeichen guter Arbeit.
Die älteste Maske hing etwas abseits. Ihr Holz war im Laufe der Jahre fast schwarz geworden, die Stirn war breiter als bei den neueren Larven und am linken Hornansatz lag ein dunkles Eisenband über einer alten Reparatur. Johanns Vater hatte sie getragen, davor angeblich dessen Onkel. Noch weiter zurück wurde die Überlieferung unzuverlässig, aber Johann sah darin kein großes Problem.
Gute Geschichten halten länger als Quittungen.
Klammbach lag in einem engen Tal, durch das im Sommer Händler, Fuhrleute und Vieh zogen. Im Winter änderte sich das. Dann fraß der Schnee zuerst den Pass, danach den Weg zum nächsten größeren Ort und irgendwann auch die letzten Gesprächsthemen. Wer dort lebte, wusste im Dezember meistens ziemlich genau, wer wem Geld schuldete, welcher Knecht nachts aus welchem Fenster stieg und wessen Vorratskammer überraschend schnell leer wurde.
Geheimnisse hatten in Klammbach kurze Beine.
Am 5. Dezember wurden sie traditionell noch etwas kürzer.
An diesem Abend zogen mehrere Krampusse durch den Ort. Irgendwann kam auch der Nikolaus hinzu, begleitet von einem Kirchenhelfer und gelegentlich zwei Männern, deren wichtigste Aufgabe darin bestand, darauf zu achten, dass die jüngeren Krampusse nicht bereits vor dem dritten Haus zu viel Schnaps bekamen. Die Reihenfolge war über Generationen nie besonders wichtig gewesen. Manche Jahre ging der Heilige vorne, manchmal verlor er die Hälfte seiner Begleitung im Schnee, und mindestens einmal soll er eine Viertelstunde nach den Krampussen im unteren Dorf angekommen sein, weil der Mann unter der Mitra beim Wirt noch eine Suppe gegessen hatte.
Niemand hatte darin ein theologisches Problem gesehen.
Bis Pfarrer Steiner nach Klammbach kam.
Steiner war ordentlich, gebildet und überzeugt davon, dass Dinge besser wurden, wenn man ihnen den richtigen Platz gab. Seine Bücher standen nach Größe sortiert, die Messgewänder hingen nach Farbe, und selbst die Kerzenreste ließ er in getrennten Kisten sammeln, weil seiner Ansicht nach auch verbrauchtes Wachs eine vernünftige Ordnung verdiente.
Mit den Krampussen hatte er vom ersten Winter an Schwierigkeiten. Während der Nikolaus durch die Straßen ging, tranken junge Männer unter Teufelsmasken, jagten Mädchen über den Platz, schlugen mit Ruten gegen Fensterläden und benahmen sich für einige Stunden so, wie sich junge Männer traditionell benehmen, wenn man ihnen sagt, sie seien für diesen Abend nicht sie selbst. Steiner störte weniger, dass der Brauch alt war, als die Tatsache, dass ausgerechnet der Teufel zum beliebtesten Teil davon geworden war.
Im zweiten Winter predigte er dagegen. Im dritten versuchte er Regeln einzuführen, die ungefähr bis zum ersten Schnaps hielten. Danach hätte die Sache vermutlich noch Jahre so weitergehen können, wenn im folgenden Oktober nicht ein Beutel Geld aus der Kirche verschwunden wäre.
Einige Familien hatten Münzen für zwei Witwen und deren Kinder gesammelt. Der Beutel lag nach der Sonntagsmesse in einem kleinen Schrank hinter der Sakristei und sollte am folgenden Morgen verteilt werden.
Als Steiner den Schrank öffnete, war er leer.
Zugang hatten mehrere Personen gehabt. Unter ihnen waren zwei Jungen, die nach der Messe beim Aufräumen geholfen hatten: Jakob Seidel und Martin Aigner.
Martin war der Sohn von Josef Aigner, dem größten Holzhändler im Tal. Aigner besaß außerdem zwei Fuhrwerke, das Gasthaus am Markt und genügend Schuldscheine, um bei fast jeder Entscheidung in Klammbach zumindest indirekt mit am Tisch zu sitzen.
Jakobs Vater dagegen war drei Jahre zuvor unter einem umstürzenden Stamm gestorben.
Martin sagte, Jakob sei nach der Messe noch einmal allein in die Sakristei gegangen. Jakob sagte, das stimme nicht. Der Kirchenhelfer erinnerte sich an nichts, Lehrer Eder zunächst ebenfalls nicht. Josef Aigner erinnerte hingegen alle daran, dass sein Sohn zu Hause mehr Taschengeld bekomme, als überhaupt in dem Beutel gelegen habe.
Das war kein Beweis.
In Klammbach reichte es trotzdem.
Jakob blieb bei seiner Geschichte. Auch nachdem Steiner ihn zweimal zu sich gerufen hatte, änderte er kein Wort. Seine Mutter bot schließlich an, den fehlenden Betrag über Monate abzuarbeiten, wenn damit endlich Ruhe einkehre. Jakob wurde darüber so wütend, dass er zum ersten Mal überhaupt seine Mutter anschrie, und danach sprach der halbe Ort weniger über den Diebstahl als über seine mangelnde Reue.
Ende November sagte jemand im Gasthaus, der Junge werde schon noch gestehen, wenn am Krampusabend eine Larve vor seiner Tür stehe.
Josef Aigner hörte es.
Am folgenden Morgen saß er bei Steiner.
Aigner hatte plötzlich dieselben Bedenken gegen den Brauch wie der Pfarrer, nur aus einem anderen Grund. Vermummte Männer, erklärte er, dürften doch nicht aus Dorfgerüchten ein Urteil machen. Was geschehe, wenn der falsche Junge bestraft werde? Was, wenn jemand unter einer Maske eine persönliche Rechnung begleiche?
Steiner brauchte wenig Überzeugung.
Noch am selben Tag stand er in Johanns Werkstatt und erklärte ihm, dass Klammbach in diesem Winter ohne Krampus auskommen werde.
Johann schliff gerade ein Stück Holz und arbeitete zunächst weiter.
„Ganz ohne?“
„Ganz ohne.“
„Dann spart ihr immerhin an Glocken.“
Steiner erklärte ihm, der Nikolausbrauch solle endlich wieder zu seinem eigentlichen Sinn zurückfinden. Keine Teufelsmasken mehr, keine Hörner, keine Ketten und vor allem keine Männer, die sich unter Fell versteckten und am folgenden Morgen behaupteten, nicht mehr zu wissen, wer nachts eine Wirtshaustür aus den Angeln gehoben hatte.
„Wir brauchen keinen Teufel, um Kindern beizubringen, was richtig ist.“
Johann legte sein Werkzeug aus der Hand.
„Ihr braucht ihn seit langer Zeit.“
„Wir haben ihn geduldet.“
Johann sah ihn einen Moment an.
„Das sagen Leute gern über Dinge, die länger da sind als sie selbst.“
Steiner verließ die Werkstatt mit derselben Überzeugung, mit der er sie betreten hatte.
Für den neuen Nikolausabend sollte Lehrer Eder ein Buch führen. Eltern konnten ihm mitteilen, was im vergangenen Jahr vorgefallen war, und Eder würde nur das notieren, was er für glaubwürdig hielt. Steiner wollte die Einträge anschließend prüfen und beim Rundgang daraus vorlesen.
Johann wurde zu einer Besprechung eingeladen, hauptsächlich weil man ihm offiziell mitteilen wollte, dass seine Masken in diesem Jahr nicht gebraucht würden. Auf dem Tisch vor Eder lag bereits das leere Buch.
Johann betrachtete es eine Weile.
„Wer schreibt?“
„Eder.“
„Wer prüft?“
„Ich“, sagte Steiner.
„Und wer entscheidet, was wahr ist?“
„Wir alle. Nach bestem Gewissen.“
Johann nickte langsam.
„Dann habt ihr endlich etwas gefunden, das gefährlicher ist als eine Maske.“
Josef Aigner lachte.
Niemand sonst tat es.
Das Buch lag von diesem Tag an auf Eders Schreibtisch, und die Leute gewöhnten sich erstaunlich schnell daran. Bei den meisten Namen standen harmlose Dinge: gestohlene Äpfel, geschwänzte Unterrichtsstunden oder eine zerbrochene Fensterscheibe, deren Schuld seit dem Frühjahr zwischen zwei Brüdern wechselte. Ein Mädchen hatte beim Metzger ein Stück Wurst genommen und später behauptet, der Hund müsse es gewesen sein, obwohl der betreffende Hund seit zwei Jahren tot war.
Dann kam Josef Aigner.
Er schloss die Tür hinter sich.
Niemand hörte das Gespräch.
Am Abend stand neben Jakob Seidels Namen:
Geld aus der Kirche genommen und trotz mehrfacher Aufforderung nicht gestanden.
Bei Martin Aigner stand:
Fleißig. Hilfsbereit. Aufrichtig.
Eder saß noch lange vor den beiden Einträgen, bevor er das Buch zuklappte.
Am 5. Dezember fiel seit dem frühen Nachmittag Schnee.
Zum ersten Mal, solange Johann sich erinnern konnte, blieb seine Werkstatt an diesem Tag still. Keine jungen Männer kamen, um Felle abzuholen, niemand stritt darüber, wem welche Maske besser passte, und die schweren Glocken lagen unberührt in einer Truhe an der Wand.
Am Abend nahm Johann die älteste Larve vom Haken. Er fuhr mit dem Daumen über das Eisenband am Horn, legte die Maske zu den anderen und schob die Felle darüber. Danach schloss er die Truhe ab.
Den Schlüssel steckte er in die Tasche.
Draußen begann der Nikolaus seinen Rundgang.
Anfangs funktionierte alles ausgezeichnet. Kinder sagten Gedichte auf, Eltern lächelten, Steiner las aus Eders Buch und verteilte Nüsse, Äpfel und Gebäck. Kein Krampus schlug mit der Rute gegen einen Türrahmen, keine Glocke unterbrach den Vortrag und niemand musste einen betrunkenen Mann in Fell aus einem Vorgarten ziehen.
Bei Aigners bekam Martin ein Päckchen kandierter Früchte.
Steiner lobte seine Aufrichtigkeit.
Martin sah dabei auf den Boden.
Danach gingen sie zu den Seidels.
Jakobs Mutter hatte die Stube sauber gemacht, obwohl darin kaum etwas stand, das man hätte verrücken können. Jakob saß am Tisch und blieb sitzen, als Steiner in seinem Nikolausgewand eintrat.
Der Pfarrer schlug das Buch auf und las den Eintrag.
„Hast du etwas zu bekennen?“
„Nein.“
Steiner erklärte ihm, dass eine Lüge einen Fehler nur vergrößere.
„Dann wird er ja irgendwann riesig“, sagte Jakob.
Seine Mutter griff nach seinem Arm.
Steiner deutete auf das Buch.
„Es steht hier.“
Jakob sah auf den leeren Platz neben ihm, an dem in jedem anderen Jahr eine dunkle Gestalt gestanden hätte.
„Dann fragt den Krampus.“
Steiner schloss das Buch.
„Der Krampus entscheidet gar nichts.“
Jakob sah ihn an.
„Ihr anscheinend schon.“
Danach bekam er nichts.
Kurz nach neun hörte Johann die erste Glocke.
Es war kein kleines Schellenband. Die größte seiner Krampusglocken hatte einen feinen Sprung im Metall und klang deshalb tiefer als die anderen. Johann hatte oft überlegt, sie zu ersetzen, und es nie getan.
Jetzt schlug sie irgendwo oberhalb des Dorfes.
Johann griff in seine Tasche.
Der Schlüssel war noch da.
Er ging zur Truhe.
Das Schloss hing unbeschädigt daran. Er zog daran, prüfte den Riegel und schloss schließlich mit dem Schlüssel auf.
Oben lagen die Felle.
Darunter die Ruten.
Die meisten Masken standen genau dort, wo er sie hingelegt hatte.
Die alte schwarze Larve fehlte.
Mit ihr waren die gesprungene Glocke und die längste Kette verschwunden.
Johann blieb einen Moment vor der offenen Truhe stehen. Kein Fenster der Werkstatt war geöffnet, die Hintertür war von innen verriegelt und der einzige Schlüssel hatte die ganze Zeit in seiner Tasche gelegen.
Dann schlug die Glocke erneut.
Diesmal näher.
Johann zog seinen Mantel an und ging hinaus.
Als er den Platz erreichte, standen bereits Menschen in den Türen.
Zwischen den Häusern bewegte sich etwas Großes.
Zuerst sah Johann nur das Fell, dann die Hörner und schließlich die alte Maske mit dem Eisenband am linken Ansatz. Bei jedem Schritt schlug die gesprungene Glocke tief gegen die Hüfte der Gestalt. Die lange Kette schleifte hinter ihr durch den Schnee.
Niemand hielt ihr anderes Ende.
Der Krampus ging nicht zu den Häusern.
Er ging zum Pfarrhaus.
Steiner stand noch im Nikolausgewand vor der Tür. Das Buch trug er unter dem Arm.
„Halt.“
Die Gestalt blieb stehen.
Steiner sah sich im Kreis der Menschen um, als erwarte er, dass irgendwo jemand über den gelungenen Streich lachte.
Niemand tat es.
„Wer steckt da drunter?“
Der Krampus antwortete nicht.
Steiner trat einen Schritt näher.
„Wer hat dich geschickt?“
Wieder nichts.
Dann fiel sein Blick auf die Maske.
„Der Brauch ist für dieses Jahr beendet.“
Der Krampus streckte die Hand aus.
Nicht nach Steiner.
Nach dem Buch.
Der Pfarrer hielt es fester.
„Das geht dich nichts an.“
Die Gestalt wartete.
Irgendwann wurde aus Steiners Festhalten etwas, das vor den Augen des ganzen Dorfes immer schwerer zu erklären war. Schließlich gab er das Buch her.
Der Krampus schlug es nicht auf.
Er sah keinen einzigen Namen.
Er ging damit über den Platz zu einer eisernen Schale, in der vor dem Gasthaus seit dem Nachmittag Holzreste verbrannten. Nur noch einige Scheite glühten darin.
Johann folgte ihm.
Die anderen ebenfalls.
Der Krampus warf das Buch ins Feuer.
Eder gab einen Laut von sich und machte einen Schritt nach vorne, blieb aber stehen, als die ersten Seiten sich zusammenzogen. Josef Aigner verlangte, man solle das Buch herausnehmen. Steiner sagte gar nichts.
Der Krampus wartete nicht darauf, ob jemand gehorchte.
Er wandte sich ab und ging weiter zur Kirche.
Hinter ihm begann Martin Aigner zu weinen.
Zuerst so leise, dass nur sein Vater es bemerkte. Josef packte ihn am Arm und sagte etwas, das zwischen den Menschen unterging.
Martin riss sich los.
„Ich hab das Geld genommen.“
Der Krampus war bereits mehrere Schritte entfernt.
Er blieb nicht stehen.
Martin sagte es noch einmal, diesmal lauter.
„Ich hab es genommen.“
Jetzt hörte es der ganze Platz.
Josef griff wieder nach ihm, aber der Junge wich zurück und redete weiter. Er erzählte vom Markt, von den älteren Jungen, die um Geld gewürfelt hatten, und davon, dass er die Münzen später hatte zurücklegen wollen. Als der Beutel vermisst worden war, hatte er Angst bekommen. Dann wurde Jakob verdächtigt, und danach hatte Martin nur noch schweigen müssen.
Menschen drehten sich zu Josef.
Andere zu Eder.
Einige suchten Jakob in der Menge.
Der Krampus ging weiter.
Kein Nicken.
Kein Blick zurück.
Nicht einmal die Glocke schlug.
Was Martin gesagt hatte, gehörte ihnen.
Vor der Kirche blieb die Gestalt stehen.
Die Kette lag noch immer hinter ihr im Schnee.
Steiner hatte sich aus der Menge gelöst und war ihr gefolgt.
„Was willst du?“
Der Krampus sah ihn an.
Steiner deutete zurück zum Platz, wo die Seiten des Buches inzwischen brannten.
„Was soll das gewesen sein?“
Keine Antwort.
Der Pfarrer wurde lauter.
„Das ist Gottes Haus.“
Der Krampus griff nach der Kette.
Zum ersten Mal seit seinem Auftauchen nahm er sie vollständig vom Körper.
Er hielt sie in beiden Händen, betrachtete sie kurz und schlug sie gegen den steinernen Rahmen der Kirchentür.
Das erste Mal geschah nichts.
Beim zweiten Schlag sprangen Funken vom Stein.
Beim dritten brach ein Glied.
Die Kette fiel in zwei Teilen vor Steiners Füße.
Niemand hob sie auf.
Der Krampus öffnete die Kirchentür und ging hinein.
Johann folgte bis zum Eingang, blieb dort aber stehen.
Im Kirchenschiff brannten nur noch wenige Kerzen. Die Gestalt ging durch den Mittelgang und blieb vor dem Altar stehen.
Dort nahm sie die Maske ab.
Johann konnte von der Tür aus nur erkennen, dass die schwarze Larve plötzlich in zwei Händen lag.
Der Krampus stellte sie auf die unterste Stufe des Altars.
Genau dorthin, wo sonst Menschen knieten.
Steiner trat in die Kirche.
Langsam ging er den Mittelgang entlang.
Als er nur noch wenige Schritte entfernt war, drehte sich die Gestalt zu ihm.
Steiner blieb stehen.
Später fragte ihn Johann einmal, was er in diesem Augenblick gesehen hatte.
Der Pfarrer antwortete nicht.
In jener Nacht sagte er überhaupt nichts mehr darüber.
Nach einer Weile nahm die Gestalt die Maske wieder auf und setzte sie zurück auf ihr Gesicht. Dann ging sie an Steiner vorbei, durch den Mittelgang und hinaus in den Schnee.
Niemand versuchte, sie aufzuhalten.
Die Glocke schlug noch einmal, als der Krampus das obere Ende des Dorfes erreichte.
Dann verschwand der Ton.
Man suchte später nach Spuren. Im frischen Schnee ließ sich der Weg bis zum letzten Haus problemlos verfolgen.
Dahinter war nichts.
Am folgenden Morgen ging Johann in seine Werkstatt.
Das Schloss der Truhe war geschlossen.
Er hatte den Schlüssel noch immer in der Tasche.
Als er aufsperrte, lag die alte schwarze Maske zwischen den anderen.
Das Fell war darunter zusammengelegt.
Die gesprungene Glocke stand daneben.
Nur die Kette fehlte.
Ihre beiden Teile lagen weiterhin vor der Kirche.
Das Buch wurde nie ersetzt.
Nicht, weil Steiner es ausdrücklich verboten hätte. Niemand wollte ein zweites führen.
Martin hatte gestanden, und damit wusste jeder in Klammbach, dass Jakob den Beutel nicht genommen hatte. Das änderte allerdings wenig daran, wie schnell fast alle bereit gewesen waren, die andere Version zu glauben. Eder sprach nicht mehr darüber, was Josef Aigner an jenem Abend in seinem Haus gesagt hatte. Josef wiederum erklärte jedem, der danach fragte, er habe den Lehrer zu nichts gezwungen.
Steiner blieb Pfarrer.
Auch Johann blieb bei seinen Masken.
Im nächsten Dezember hing die alte schwarze Larve wieder an ihrem Platz in der Werkstatt.
Als der 5. Dezember näher kam, erschienen die jungen Männer wie früher bei Johann. Niemand hatte den Brauch offiziell wieder erlaubt. Es gab keine Versammlung und keinen Beschluss darüber. Sie kamen einfach.
Johann gab die Felle heraus.
Die Glocken ebenfalls.
Nur bei der alten Maske zögerte er.
Am Ende wurde auch sie getragen.
Wer darunter steckte, wurde danach nicht mehr aufgeschrieben.
In den folgenden Jahren verwischte die Erinnerung an jene Nacht an manchen Stellen und wurde an anderen umso genauer. Einige behaupteten irgendwann, Johann selbst habe damals die Maske getragen. Andere sagten, das könne nicht stimmen, weil sie ihn auf dem Platz neben sich gesehen hätten. Wieder andere hielten die ganze Geschichte für eine Erfindung, die mit jedem Winter ein Stück größer geworden sei.
Johann beteiligte sich an diesen Diskussionen nicht.
Einmal fragte ihn ein junger Mann, warum er nie sage, wer in jener Nacht der Krampus gewesen sei.
Johann antwortete, dafür müsse er es zuerst wissen.
Danach gab es Winter, in denen die alte Maske beim Lauf eindeutig getragen wurde.
Es gab andere, in denen niemand sie nahm.
Und es gab mindestens zwei Jahre, in denen Johann später darauf bestand, sie habe den gesamten Abend in seiner verschlossenen Werkstatt gehangen, obwohl mehrere Leute im oberen Dorf schworen, die gesprungene Glocke gehört zu haben.
Mit der Zeit lernte Klammbach, diese Widersprüche stehen zu lassen.
Der Nikolaus kam weiterhin.
Die Krampusse ebenfalls.
Nur das Buch kam nie zurück.
Und wenn am 5. Dezember spät in der Nacht irgendwo über den Häusern noch einmal eine einzelne tiefe Glocke schlug, fragte niemand mehr, ob der Lauf nicht längst vorbei war.
Und seitdem steht in Klammbach geschrieben:
DEN KRAMPUS KANN MAN AUS DEM BRAUCH STREICHEN. AUS DER NACHT NICHT.
TRITT DER COVEN ELITE BEI. ERHALTE AM DROP-TAG DEINEN ALARM UND SICHERE DIR EINE DER STRENG LIMITIERTEN EDITIONEN.
Diese Kategorie ist leer
Weiter einkaufenBewertungen der Elite
Let customers speak for us
from 2529 reviewsSchönes Design. Gute Qualität!
Richtig guter Oversize-Schnitt. Patchflächen sind nahezu unsichtbar und tragen überhaupt nicht auf. Versand war überragend schnell.
Schnelle Lieferung, netter Kontakt zum Support das ist Verkauf auf höchstem Niveau. Textilien (ich besitze die Jeansjacke und das All Days Shirt) von sehr guter Qualität. Wird nicht mein letzter Einkauf gewesen sein.
Ein geiler Patch, qualitativ sehr hochwertig, unterstreicht meine Liebe zu Japan.
Einzigartige Details. Angenehme schwere Münze.
Sehr solide Qualität, Design rundum gelungen und mit vielen Details bis hin zur Waschanleitung ;)
Wieder mal ein Phantastisches Teil
Sauber verarbeitet und extrem bequem.
Geiles Teil. Hochwertig, gut zu vernähen, Optik sauber und ansprechend. Versand schnell und unbürokratisch.
Unglaublich tolle Jacke! Top Qualität!
Die Shirts entsprechen voll meinen Erwartungen.

Veteran operated. Chaos approved.

No trends. No templates. Just what we believe in.

Made for the ones that carry the fire.

COVEN ELITE
Dein Elite-Patch. Kostenlos.
Tritt der Elite bei. Dein limitierter Patch kommt kostenlos zu deiner nächsten Bestellung dazu.

























