

DROP AM 21.06.2026 - 11:00 CET
MOURNFUL MIDSOMAR
„Unter der längsten Sonne beginnt bereits das Sterben.“
Ein Jahr ohne Heilige.
Das Coven Jahresrad folgt keinem göttlichen Kalender.
Neunzehn Feste markieren den Zyklus – jede dieser Nächte verdreht ein bekanntes Ritual, entweiht ein Symbol oder macht aus etwas Vertrautem etwas Fremdes.
Und mit jedem weiteren Fest greift das Jahr tiefer um sich.
Was einst wie eine Umkehr wirkte, beginnt langsam, seinen eigenen Zustand zu schaffen. Die alten Bedeutungen stehen noch, doch sie wirken leerer mit jeder weiteren Nacht.
Zwischen Feuer, Blut und Schweigen schließt sich der Kreis weiter.
Was andere als Licht feiern, verwandeln wir in Glut und Schatten.
WELCOME TO THE ERA OF BLOOD AND SILENCE.
Das achte Fest im Coven Jahresrad.
Wenn die Sonne am längsten über dem Land steht, beginnt der Kult zu trauern.
Denn was andere als Höhepunkt feiern, erkennen wir als Wendepunkt.
Midsommar war nie nur ein Fest des Lebens.
Es war immer auch die Nacht, in der das Licht seinen höchsten Stand erreicht — und von dort an langsam beginnt zu sterben.
Die Felder stehen voll, das Bier fließt, die Blumen werden geflochten und an Kreuze gebunden, als könnte man die Zeit selbst damit festhalten. Überall wird gelacht, getanzt und gesungen, bis tief in die helle Nacht hinein.
Und vielleicht beginnt genau dort der Verfall —
an dem Punkt, an dem niemand mehr bemerkt, dass etwas längst begonnen hat zu kippen.
Beim Mournful Midsommar trägt selbst der Tod die Blumen des Sommers. Zwischen den brennenden Feldern und den geschmückten Kreuzen liegt eine Schwere in der Luft, die niemand ausspricht. Die Lieder werden langsamer, die Nächte seltsam still, und irgendwann merkt keiner mehr, ob das Knacken in den Feuern vom Holz kommt — oder von etwas anderem.
Denn dies ist kein Fest des Sommers.
Es ist die Nacht, in der er begreift, dass auch er sterben wird.
Willkommen zum Mournful Midsommar.
Man erzählt sich, dass es einst einen Sommer gab, der nicht enden wollte.
Die Sonne hing tagelang über den Hügeln, als hätte sie vergessen unterzugehen. Die Felder standen höher als ein Mann, die Flüsse führten warmes Wasser, und selbst nachts lag noch Licht über den Wäldern.
Die Menschen hielten es zuerst für einen Segen.
Die Ernten wurden größer als je zuvor, die Tiere fett, die Feuer auf den Dorfplätzen brannten ohne Unterlass. Überall wurde getrunken, getanzt und gefeiert, als hätte der Sommer selbst beschlossen, für immer zu bleiben.
Und mitten unter ihnen erschien irgendwann der Sommerkönig.
Niemand wusste, woher er gekommen war. Manche behaupteten, er sei eines Nachts aus dem Wald getreten, andere sagten, man habe ihn plötzlich zwischen den Tänzern gesehen, still, unbewegt, mit einem Kranz aus verwelkenden Blüten um den Kopf.
Doch jeder erinnerte sich an dasselbe Gefühl, sobald er in seiner Nähe stand:
dass etwas an diesem Sommer zu vollkommen geworden war.
Der Sommerkönig sprach nur selten.
Wenn er über die Felder ging, folgten ihm die Menschen trotzdem, als würden sie hoffen, in seiner Nähe bliebe alles noch ein wenig länger hell. Hinter ihm trugen sie Kreuze aus Birkenholz, geschmückt mit Blumen, Bändern und Kräutern, und stellten sie zwischen die Felder, obwohl niemand mehr genau wusste, warum man es einst begonnen hatte.
Mit der Zeit wurde die Luft süßer.
Zu süß.
Die Blumen auf den Kränzen begannen dunkel zu werden, noch bevor sie vertrockneten. Das Korn stand schwer und unbewegt im Wind, und aus manchen Brunnen kam Wasser, das nach Erde schmeckte. Trotzdem hörte das Fest nicht auf. Vielleicht gerade deshalb.
Denn niemand wollte der Erste sein, der ausspricht, dass etwas nicht stimmte.
Und so wurde weitergetanzt. Nacht für Nacht. Unter Liedern, die immer langsamer wurden. Unter Girlanden, die längst nach Verfall rochen. Unter einer Sonne, die nicht mehr warm wirkte, sondern reglos über allem hing.
Und der Sommerkönig blieb unter ihnen, als hätte ihn all das niemals überrascht. Er bewegte sich durch die Felder wie jemand, der das Ende eines Liedes bereits kennt, während alle anderen noch tanzen. Man sah ihn an den Feuern stehen, unbewegt zwischen Rauch und Blüten, und je länger der Sommer dauerte, desto weniger erinnerte seine Krone an etwas Feierliches.
Erst viel später begriffen die Menschen, weshalb zwischen den geschmückten Kreuzen plötzlich auch Galgen standen. Anfangs hatte man sie kaum bemerkt. Sie wirkten beinahe wie Teil des Festes, als gehörten sie schon immer dorthin.
Und vielleicht war genau das das Schlimmste daran.
Denn das Licht blieb schön.
Die Nächte blieben warm.
Und trotzdem begann alles langsam zu faulen.
Und es wurde geschrieben:
„Der Sommer stirbt nicht im Winter.
Er stirbt mitten in seiner Blüte.“
Seitdem gilt:
Traue keinem Licht,
das zu lange brennt.
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