OKKULTOBERFEST 2026

„Bier. Blut. Barbarei.“

Ein Jahr ohne Heilige.

Das Coven Jahresrad folgt keinem göttlichen Kalender. Neunzehn Feste markieren den Zyklus, und jedes davon nimmt etwas Bekanntes, dreht es einmal durch den Dreck und stellt es wieder hin, als wäre nie etwas gewesen.

Dreizehn Feste liegen hinter uns.

Wer noch steht, darf sich was bestellen.

Der Kreis trägt diesmal Gamsbart, die Kapuze riecht nach Hopfen, und irgendwo zwischen dem ersten Anstich und der letzten schlechten Entscheidung des Abends hört das Jahr auf, sich zu erklären. Es feiert einfach. Was andere Brauchtum nennen, nennen wir Ritus. Was andere Tradition nennen, nennen wir Ausrede. Und was andere als harmlosen Abend im Festzelt bezeichnen würden, hat hier seit Jahrhunderten einen anderen Namen.

Was andere als Fest feiern, verwandeln wir in Bier, Blut und Barbarei.

WELCOME TO THE ERA OF BLOOD AND SILENCE.

Das vierzehnte Fest im Coven Jahresrad.

Beim Okkultoberfest beginnt alles mit dem Anstich.

Erst ins Fass. Dann in die Krüge. Dann in die Leute. Ab da läuft die Sache von selbst, und niemand muss mehr groß erklären was hier passiert, weil sowieso keiner mehr genau zuhört. Die Kapelle spielt als hätte sie einen Vertrag unterschrieben den sie nicht ganz gelesen hat. Der Kult wirft die Kapuze ab, zieht Tracht an und tut so als wäre das jetzt Folklore — a bisserl Blasmusik, a bisserl falscher Schwur, a bisserl Barbarei.

Der Tisch wird voller. Die Sprache wird kürzer. Und irgendwo in der Mitte des Abends erklärt einer mit sehr festem Blick, er habe alles unter Kontrolle.

Freilich.

Das Okkultoberfest war nie ein sauberer Feiertag. Es ist das älteste Fest auf diesen Wiesen, älter als jede Königsfamilie die je einen Hut draufgesetzt hat, älter als jedes Zelt das je drüber gebaut wurde. Es braucht keine Genehmigung, keinen Veranstalter und keine Sperrstunde. Es braucht nur ein Fass, genug Leute die aufgehört haben nachzudenken, und eine Nacht die lang genug ist um das eine vom anderen nicht mehr unterscheiden zu können.

Prost.

Willkommen zum Okkultoberfest.

Man sagt, das Oktoberfest hat irgendwann angefangen.

Das stimmt nicht.

Was angefangen hat, war das Okkultoberfest — irgendwo oben in den Bergen, weit genug weg dass niemand genau hinschauen musste, nah genug dass der Geruch nach Holzrauch und Hopfen bis ins Tal zog und die Leute unruhig machte auf eine Art die sie nicht benennen konnten aber auch nicht ignorieren wollten. Da oben hatten sie schon immer so gefeiert. Fass auf, Feuer an, Ziegen tanzen lassen bis die Sache kippt. Kein Programm, keine Ehrengäste, kein Anstichtermin. Nur die Gewissheit dass der Abend irgendwann seinen eigenen Willen bekommt und man dann besser nicht dagegen anschwimmt.

Irgendwann kamen Leute aus der Stadt rauf und schauten zu.

Sie fanden es gleichzeitig unheimlich und sehr gut. Sie tranken mit, tanzten ein bisschen, verloren den Überblick und fuhren am nächsten Tag wieder runter mit dem Gefühl dass man das eigentlich auch unten machen könnte. Etwas sauberer vielleicht. Mit Tischen. Und einem Dach drüber. Und ohne die Ziegen, oder zumindest weniger Ziegen, und vielleicht auch ohne das andere, das man lieber nicht beschreibt aber das eindeutig dabei gewesen war.

Sie kamen wieder. Natürlich kamen sie wieder. Erst zu zweit, dann zu viert, dann mit Nachbarn die sie überredet hatten ohne ihnen genau zu erklären wozu. Jeder der oben war wollte irgendwann jemanden mitbringen der es noch nicht gesehen hatte, weil es eine Sache gibt die besser ist als selbst dabei zu sein — dabei zu sein wenn jemand anderes zum ersten Mal dabei ist. Die Gesichter. Die Augen. Der Moment wo die dritte Maß ankommt und die Person neben einem aufhört so zu tun als wäre das noch ein normaler Abend.

Des ist halt einfach schön.

Mit der Zeit wurde es voller da oben. Zu voll eigentlich, aber niemand wollte derjenige sein der sagt es sei zu voll, weil das bedeutet hätte man war schon vorher da und hatte es für sich behalten wollen, und des schickt sich ned. Also rückte man zusammen, die Nächte wurden lauter, die Ziegen wurden nervöser, und irgendwann saß da oben ein Stadtrat aus München zwischen einem Wildschwein und drei Leuten die er nicht kannte und trank die beste Maß seines Lebens und wusste gleichzeitig sehr sicher dass er darüber niemandem erzählen würde.

So wurde aus dem Okkultoberfest das Oktoberfest.

Brav, bunt, königlich genehmigt. Mit Uniformen, Blaskapellen, Hendln am Spieß und dem festen Glauben dass das hier uralte Tradition ist und schon immer so war. Die Zelte wurden größer, die Krüge wurden einheitlich, und die Ziegen verschwanden offiziell aus dem Programm.

Inoffiziell tanzen sie noch.

Des Okkultoberfest hat nie aufgehört. Es hat nur einen Schritt zurückgemacht, sich die Sache von unten angeschaut und gewartet — so wie man wartet wenn man weiß dass man ned warten muss, weil die Sache sowieso wiederkommt. Sie kommt jedes Jahr wieder. In jedem Zelt, in jedem Abend der kippt, in jeder Blasmusik die plötzlich tiefer klingt als sie sollte, in jeder dritten Maß die sich anfühlt als wäre da noch was anderes drin.

Freilich.

Und es wurde geschrieben — a bisserl schief, a bisserl zu groß, auf dem einzigen trockenen Bierdeckel der noch übrig war:

„Des Oktoberfest gehört dem König.
Des Okkultoberfest gehört uns.“

Seitdem gilt:
O'zapft is.

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